Weltklasse im Club

Neuling Sennelager hält gegen Meister Mannheim gut mit

Autor: Frank Hofen

Ohne die an den beiden ersten Positionen fest eingeplanten Profis Jozef Kovalik (ATP 165) und Alexey Vatutin (ATP 202) musste der Aufsteiger Team Hämmerling TuS Sennelager für das sonntägliche Duell gegen den aktuellen Deutschen Meister Grün-Weiss Mannheim antreten. Dass es beim Liga-Debüt dennoch zu zwei Punkten reichte, verdient alle Hochachtung.

Bei dem im 205 Kilometer entfernten ATP-Challenger-Turnier in Braunschweig hatte Oberschiedsrichter Hans-Jürgen Ochs den sonntäglichen Spielplan unter anderem mit den Sennelager Tennisprofis Kovalik und Vatutin aufgestellt. Den beiden blieb also nichts anderes übrig, als in die niedersächsische Löwenstadt zu reisen. „Mit ist schleierhaft, warum bei einem deutschen Turnier die Bundesliga nicht berücksichtigt wird“, sagt Ralf Hämmerling (2. Abteilungsvorsitzender TuS Sennelager), „denn so macht man alles sportliche Bemühen um die Liga kaputt.“ Auch Mannheim wurde davon betroffen, die auf den eingeplanten Tobias Kamke verzichten mussten. „Bei deren Personaldecke fällt ein solcher Ausfall aber nicht so sehr ins Gewicht“, sagte Marc Renner, „die sind mit Spitzenleuten wie Delbonis und Martinez immer noch bestens besetzt. Uns tut dieser Ausfall sehr weh, denn so haben wir keine Chance gegen den Meister.“

Auch ohne die beiden Spitzenspieler: Erhoffte Zuschauerzahl beim Debüt sogar übertroffen

Ärgerlich war es auch deshalb für den Aufsteiger, weil die Paderborner in den Tagen vor ihrem Debüt mit den beiden Spitzenspielern vehement die Werbetrommel gerührt haben. „Hoffentlich verstehen die Zuschauer, dass wir nichts dafür können“, so Hämmerling, der Hauptsponsor und Namensgeber ist, „denn nichts ist ärgerlicher als Dinge anzukündigen, die dann nicht zu realisieren sind.“ Von Ärger war aber auf der Anlage des Paderborner TC Blau-Rot, wo der TuS Sennelager seine vier Heimspiele austrägt, nichts zu spüren: „Wir haben auf 1.000 Zuschauer gehofft. Dass es letztlich sogar 1.100 geworden sind, erfreut uns sehr und ich kann sagen, Tennis in Paderborn wird angenommen“, meint Hämmerling. Auch Bürgermeister Michael Dreier, der das Team tags zuvor ins Rathaus zum Eintrag ins >Goldene Buch< eingeladen hatte, war sehr angetan von diesem sportlichem Auftakt in seiner Stadt: „Mein Kompliment. Dass haben die beiden Vereine bestens hergerichtet. Ich bin mir sicher, mit dieser Mannschaft und diesem Engagement bekommt der Tennissport in Paderborn einen neuerlichen Schub.“

 

Trotz der ungünstigen personellen Voraussetzungen ging der Neuling die Partie bestens motiviert an und zweifelsohne wussten sie zu überraschen. Vor allem in den ersten Sätzen. Dies gilt für den 24-jährigen Frederico Ferreira Silva (ATP 296) an Nummer eins genauso wie für Dragos Dima (ATP 330), Sennelagers Nummer drei, als auch für den an vier spielenden 25-jährigen Philipp Scholz. Dieses Trio wuchs im ersten Satz geradezu über sich hinaus, hielt streckenweise das Match offen, doch letztlich gingen die ersten Sätze knapp an das kurpfälzische Trio Federico Delbonis (ATP 75), Pedro Martinez Portero (ATP 152) und an Andreas Beck. Während die TuS-Akteure geradezu am Limit spielten, konnten ihre Kontrahenten im zweiten Satz zulegen. Sie spielten mit ihren jeweiligen Zweisatzsiegen einen 3:0-Vorsprung der Grün-Weissen heraus.


15. 17 Uhr - Team Hämmerling TuS Sennelager verbucht ersten Einzelpunkt in der 1. Liga


Auch angesichts des deutlichen Zwischenresultats kam beim Team Hämmerling TuS Sennelager keine Tristesse auf. Im Gegenteil. Immer wieder konnte man Begeisterung unter den Zuschauern hören: „Und wenn wir Kovalik und Vatutin dabei gehabt hätten, wäre sicherlich mehr drin gewesen!" Das mag so sein. Das letzte laufende Einzel war das Duell zwischen Arthur Rinderknech (ATP 373) und Maximilian Marterer (ATP 175). Der 23-jährige Franzose, der erst vor einem Jahr nach seinem US-Studium in Texas seine Profikarriere gestartet hat, bestimmt gegen den ein Jahr jüngeren Deutschen, der bereits vor einem Jahr die Weltranglistenposition 49 inne hatte, das Spielgeschehen von der Grundlinie aus. Das Publikum war begeistert. Marterer muss man allerdings zugute halten, dass er auf Grund einer Sehnenentzündung im Oberschenkel Trainingsrückstände hat und so leicht gehandicapt war. Darauf nahm der Franzose allerdings keine Rücksicht und holte mit einem 7:6(3), 6:3 den ersten umjubelten Punkt für den Ligadebütanten.

 

Dieser Punkt brachte noch einmal Dynamik ins Geschehen und Arthur Rinderknech bleib es vorbehalten, auch im Doppel zu punkten. An seiner Seite hatte er den 2-Meter-Mann David Pel, der in der Doppelweltrangliste auf Position 124 geführt wird. Auf der Habenseite des Niederländers ist unter anderem auch ein Doppel-Turniersieg (2018 in Heilbronn) gegen die aktuellen French Open-Sieger Kevin Krawietz/Andreas Mies zu finden. Und Rinderknech/Pal können auch Doppel. Sie besiegten das Mannheimer Duo Robin Kern/Andreas Beck mit 6:7(3), 7:6(6), 12:10 und abermals war zu hören:  „Wenn dann doch Kovalik und Vatutin dabei gewesen wären." So gab es nach dem glatten 6:2, 6:0 Sieg von Delbonis/Martinez Portero gegen das TuS-Duo Ferreira Silva/Dima letztlich nur eine achtbare 2:4-Niederlage. Die wiederum angesichts der bevorstehenden Saison für den ostwestfälischen Aufsteiger allerdings hoffen lässt.

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Bildzeile: Mann des Tages: Arthur Rinderknech holt für den Neuling Team Hämmerling TuS Sennelager den ersten Einzelsieg in der 1. Tennis-Point Bundesliga und punktet auch im Doppel an der Seite von David Pel. Foto ©Agentur Klick