Weltklasse im Club

Mannheim gewinnt Nervenkrimi gegen Gladbach

Autor: Tobias Becker

“Spitzenreiter, Spitzenreiter”, schallte es am Sonntagabend aus der Kabine des TK Grün-Weiss Mannheim. Der amtierende Deutsche Meister schlug im Spitzenspiel der Tennis-Point-Bundesliga den Tabellenführer Badwerk Gladbacher HTC in einem von Top-Spielern gespickten und an Spannung nicht zu überbietenden Spiel mit 4:2.

Die Kuriositäten finden bereits vorher an. So meldete sich Olympia-Teilnehmer und Kevin Krawietz beim Mannheimer Teamchef und fragte, ob er direkt aus Tokio kommen solle. Das spanische Duo der Grün-Weissen kostete Gerald Marzenell ebenfalls Nerven. Bernabé Zapata Miralles schaffte den Einzug in das Finale von Poznan, das er am Sonntag gewann. Pedro Martínez spielte den letzten Ball im Finale des ATP250er-Turniers von Kitzbühel aufgrund einer langen Regenpause erst nachts gegen Mitternacht. Er verlor knapp gegen Casper Ruud, stieg ins Auto und kam morgens um 6.30 Uhr im Mannheimer Hotel an. Weniger erfreuliche Nachrichten hatten die Gladbacher. Dort musste Albert Ramos-Vinolas aus familiären Gründen absagen, geschwächt hat es das Top-Team aus NRW jedoch nicht.

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Die Zuschauer am Neckarplatt standen Schlange vor Spielbeginn, aber der Aufwand des Corona-Tests (wenn nicht geimpft) war klein im Vergleich zu dem großen Spektakel, das dieses Tennis-Point-Bundesligaspiel zu bieten hatte. Bereits in den ersten beiden Einzeln des Tages sahen die Zuschauer Weltklasse-Tennis. Das Spitzeneinzel zwischen dem Mannheimer Moldawier Radu Albot und dem Gladbacher Slowaken Andrej Martin, die in der Weltrangliste derzeit um Rang 100 stehen, war knapper als das Ergebnis aussagt. Nach vielen starken Ballwechseln setzte sich Albot mit 6:4, 6:2 durch. Im deutschen Duell auf dem zweiten Platz am Mannheimer Neckarplatt lieferten sich Maximilian Marterer (Grün-Weiss) und Kitzbühel-Halbfinalist Daniel Altmaier ein spannendes Spiel, das erst im Match-Tie-Break einen Sieger fand. Daniel Altmaier hatte am Ende die besseren Nerven und gewann 5:7, 7:6 (4), 10:8. Wichtig für die Gäste, denn mit einem 1:1 im Rücken ging es in die zweite Einzelrunde.


Zweimal Match-Tiebreak in den zweiten Einzeln!

Dort lagen die Nerven dann blank auf dem SAP Center Court in Mannheim. Publikumsliebling Pedro Martínez gewann den ersten Satz gegen den Niederländer Tallon Griekspoor 6:4. Im zweiten Durchgang setzte sich der Gladbacher mit 6:4 durch. Wieder hieß es Match-Tie-Break. Griekspoor hatte Matchbälle, Martínez ebenfalls. Beide konnten eben jene auch abwehren. Die (zum Großteil heimischen) Zuschauer hielten den Atem an und brüllten die Freude beim 14:12 für den Spanier raus. “Pedro, Pedro”, euphorische Rufe auf den Rängen, eine grün-weisse Traube auf dem Platz und ein strahlender Martínez mittendrin - diese Emotionen gibt’s in der Tennis-Point-Bundesliga. Allerdings wurde auch Griekspoor nicht vergessen. Auf dem Weg zum zweiten Platz, wo gerade Gerald Melzer und Mario Vilella Martinez aufeinandertrafen, hörte man überall lobende Worte für den Niederländer. Man erlebte genau das, was in die Tennis-Bundesliga verspricht: Einen tollen Tag für die Familie mit Weltklasse-Tennis hautnah und mit vielen Emotionen.

Die Frage im letzten Einzel des Tages war, ob es mit 3:1 für Mannheim in die Doppel geht oder mit einem 2:2-Unentschieden. Grün-Weiss-Österreicher Melzer war drauf und dran, das Spiel in zwei Sätzen zu beenden. 6:3, 4:1 und Breakball zum 5:1 - dann legte Vilella Martinez den Schalter um und drehte die Partie. Plötzlich stand es 4:5 aus Sicht des Mannheimers. Aber: Das Wetter machte den spanischen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Regenpause in Mannheim. Nach rund 90 Minuten ging es weiter, Vilella Martinez gewann den zweiten Satz 6:4 und es musste wieder der Match-Tie-Break die Entscheidung bringen. Dort fand Melzer schnell zu seinem Spiel, zeigte Nervenstärke und gewann 10:7.


Mannheim macht den Sieg in den Doppeln klar!

Mit 3:1 ging es also in die Doppel, die an diesem Tag erneut Spitzentennis boten und viele Top-Doppel-Spieler der ATP-Tour - letzten Endes mit dem besseren Ausgang für das Heimteam. Denn: Gladbachs Robin Haase und Aleksandr Nedovyesov konnten sich zwar gegen Kevin Krawietz und Maximilian Marterer durchsetzen (4:6, 6:3, 10:4), aber Radu Albot und Pedro Martínez ließen gegen Tallon Griekspoor und Daniel Altmaier nichts anbrennen. Das Grün-Weiss-Duo machte nicht nur den Doppelsieg in zwei Sätzen (6:3, 6:4) klar, sondern auch den Gesamtsieg für ihr Team.

Nach dem 4:2 war Gladbachs Teamchef Henrik Schmitt einer der ersten Gratulanten seines Kontrahenten Gerald Marzenell - fair, sportlich, vorbildlich! Der Meisterschaftskampf in der Tennis-Point-Bundesliga, der stärksten Liga der Welt, bleibt also weiterhin völlig offen. Mannheim hat mit dem 4:2-Sieg jedoch die “bessere” Ausgangsposition und weilt zumindest bis zum kommenden Sonntag an der Tabellenspitze.