Weltklasse im Club

Hämmerling mit nur drei Spielern

Autor: Frank Hofen

Die Rosenheimer holen einen 4:2 Auswärtserfolg beim dezimierten TuS Sennelager

Paderborn. Die Probleme, eine spielstarke Mannschaft zusammenzustellen, haben mehr oder weniger in dieser Saison alle zehn Tennis-Bundesligisten. Die größten personellen Probleme hatte zweifelsohne das Team Hämmerling TuS Sennelager vor dem 5. Spieltag gegen den TSV 1860 Rosenheimer Unterstützungskasse. „Heute kam alles zusammen“, sagte Teammanager Marc Renner, „denn die Nachwirkungen von Corona sowie Spieler bei Olympia in Tokio, aktuelle Turniererfolge und sechs verletzte Spieler haben uns arg dezimiert.“ So war Renner zumindest am Sonntagmorgen froh, dass er vier Spieler hatte. Doch es gab kein Ende des Schreckens. Der 22-jährige Kacper Zuk (ATP 170) war zwar da, aber nicht spielfähig. „Im rechten Oberschenkel habe ich eine Entzündung“, so der polnische Davis Cup-Spieler, „ich kann nur gehen, an laufen ist nicht zu denken.“ Demzufolge ein 0:1, bevor die ersten Bälle überhaupt gespielt worden sind.

 

Dabei hatte das Team Hämmerling eigentlich einen Sieg eingeplant, wollte man nicht zu diesem Zeitpunkt bereits im Tabellenkeller sitzen. Mit drei Hämmerling-Profis war natürlich gegen das oberbayerische Quartett wenig auszurichten, denn mit Damir Dzumhur (ATP 127), Blaz Rola (ATP 167), Alessandro Giannessi (ATP 117) und Matteo Viola (ATP 262) waren die Rosenheimer spielerisch gut aufgestellt. Das soll nicht heißen, dass die Gastgeber chancenlos waren, aber durch die Bank weg waren sie in letzter Konsequenz nicht routiniert genug, den durchweg 30-Jährigen Gästen in den jeweils entscheidenden Phasen eine Niederlage beizubringen. Immer, wenn es eng wurde, war das Quäntchen Glück oder auch Können oder auch Routine bei den Anderen.

 

Lediglich der an Nummer vier aufgestellte 26-jährige Israeli mit französischen Pass, Daniel Cukiermann (ATP 664), biss sich gegen den acht Jahre älteren Matteo Viola durch. Beide boten sehenswertes, schnelles Tennis bei hochsommerlichen Temperaturen und trotz des verloren gegangenen ersten Satzes steckte der Mann aus Tel Aviv gegen den Italiener nicht auf. Je länger die Auseinandersetzung andauerte, umso sicherer wurde das Spiel des mehrfachen israelischen Meisters. Der Lohn seiner schweißtreibenden Auseinandersetzung war ein Dreisatzsieg und das zwischenzeitliche Unentschieden.

 

Dass dies der einzige Einzelpunkt für die Ostwestfalen am Ende sein würde, hatte man zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt. Der 21-jährige Franzose Antoine Cornut-Chauvinc (ATP 664) unterlag dem zehn Jahre älteren Italiener Alessandro Giannessi und nun lagen die Hoffnungen beim erstmals aufgebotenen 19-jährigen Juan Manuel Cerundolo (ATP 144): Die Nummer eins im Hämmerling-Team. Doch sein Gegenüber, der mit einem kroatischen Pass ausgestattete Damir Dzumhur, ließ immer dann, wenn es für ihn vom Zwischenstand her eng wurde, seine Klasse aufblitzen. Am Ende gab es zwar viel Beifall und aufmunterndes Schulterklopfen für den jungen Südamerikaner, doch zwei deutliche Tiebreak-Erfolge sorgten für ein 3:1 der Rosenheimer.

 

Das traurige an diesem Tag war die Tatsache, dass keine Doppel ausgetragen werden konnten. Das Team Hämmerling hatte sowieso keinen vierten Spieler und Matteo Viola hatte sich im Einzel eine Zerrung zugezogen, so dass dieser Sonntag mit einem vorzeitigen 4:2 Erfolg für die Oberbayern endete. „Mir tut es sehr leid“, sagte Hauptsponsor Ralf Hämmerling Cora publico im Interview, „dass wir ihnen keine Doppel bieten können. Doch ich lasse mir etwas einfallen, wie wir das im letzten Heimspiel am 13. August gegen Neuss wieder gut machen können.“ Fakt ist aber, das Team Hämmerling TuS Sennelager ist durch diese Niederlage ans Tabellenende gerutscht! 

 

Bildzeile: Der erstmals im Team Hämmerling TuS Sennlager aufgebotene 19-jährige Argentinier Juan Manuel Cerundolo konnte spielerisch gefallen, unterlag aber dem zehn Jahre älteren routinierten Damir Dzumhur vom TSV 1860 Rosenheimer Unterstützungskasse. © Ralf Meier