Weltklasse im Club

Arthur Rinderknech (Team Hämmerling TuS Sennelager) im Interview

Autor: Frank Hofen

Vor einigen Jahr war der Franzose Arthur Rinderknech einer von vielen im Niemandsland des Tenniszirkus, denn mit wenigen Turniererfolgen auf der ITF-Future-Tour erreicht man keine Aufmerksamkeit. Der Grund ist darin begründet, dass er damals in Texas an der A & M University studierte. Inzwischen hat er den Uni-Abschluss als >Bachelor of Business< in der Tasche und hat sich nun seit Beginn des Jahres dem Profitennis verschrieben. Außerdem ist er von Paris nach Rennes gezogen und hat mit seinem neuen Coach Sebastien Vilette dort seinen Trainingsstandort.

 

Arthur Rinderknech im Rückblick: „War zu schwach und es war zu teuer“
Trainer gewechselt und nach Rennes gezogen

 

Drei ATP-Challenger-Triumphe (zwei Einzel, ein Doppel) und eine weitere Finalteilnahme in den diesen ersten zwei Monaten haben ihn mit seiner Spielbilanz von 16:4 zum erfolgreichste Profi des Jahres 2020 auf der ATP Challenger Tour avancieren lassen. In diesem Jahr bestreitet er seine zweite Saison für das Team Hämmerling TuS Sennelager und vom erneuten Ziel des Klassenerhalts in der 1. Tennis-Point Bundesliga ist er überzeugt. Nachfolgend ein Interview, welches die Pressestelle des Team Hämmerling TuS Sennelager mit dem 24-Jährigen geführt hat.

? Herr Rinderknech, Glückwunsch. Sie sind aktuell der erfolgreichste Tennisprofi der ATP-Challenger-Tour. Wie überrascht sind Sie von dieser Entwicklung.

Arthur Rinderknech: Es ist auch für mich eine große Überraschung. Aber ich habe mit meinem neuen Coach sehr hart gearbeitet. Dass ich aber nach so kurzer Zeit schon so erfolgreich spiele, verwundert mich ebenfalls.

 

? Gibt es eine schlüssige Erklärung dafür.

Arthur Rinderknech: Ich bin im Januar zu Sebastian Vilette, meinem neuen Coach, gewechselt. Wir haben nicht viel verändert, aber scheinbar hat er an den richtigen Schrauben gedreht. Ich spiele nun während der Matches meine Stärken wesentlich besser aus und treffe daher im Moment auch auf dem Platz die richtigen Entscheidungen.

 

? Was haben Sie anders gemacht als sonst. Mehr trainiert. Bessere Fitness. Leben Sie sportlicher. Wieso diese Leistungsexplosion.

Arthur Rinderknech: Wie gesagt, viel geändert habe ich eigentlich nicht. Auch nichts Besonderes. Aber zwei, drei kleine Veränderungen in meinem Spiel machen auf diesem Niveau eine ganze Menge aus.

 

? Vor zwei Jahren waren Sie die Nummer 1065 der ATP-Weltrangliste, heute sind sie die Nummer 161. Kann man so etwas erträumen.

Arthur Rinderknech: Ich stand auch deshalb nur auf 1065, weil für mich damals der Schwerpunkt mein Studium an der Texas A & M University war. Zu der Zeit lebte ich auch dort. Heute glaube ich, dass ich mich spielerisch in den nächsten Monaten noch weiter verbessern kann, denn mein sportliches Ende soll noch nicht erreicht sein.

 

? Sie haben erst in Texas studiert und sich danach dem Profitennis zugewandt. Warum ein solcher Karriereweg.

Arthur Rinderknech: Weil ich damals einfach noch zu jung und vom Kopf her nicht bereit für Tennis war. Ich hatte noch nicht das Niveau für die Profitour und war einfach zu schwach. Zudem ist die Profitour sehr, sehr teuer. Von daher machte es keinen Sinn für mich, denn es wäre nur reines Geldverbrennen gewesen. Erst zu studieren war die richtige Entscheidung, wobei ich aber auch am College mein Spiel deutlich verbessern konnte.

 

? Was hat Ihnen, außer dem Bachelor-Abschluss, das Studium gebracht.

Arthur Rinderknech: Ich bin wesentlich entspannter, denn Tennis ist nicht alles für mich. Mein Leben basiert von daher auch nicht nur auf dem Sport mit der gelben Filzkugel. Sollte es zu mehr aber nicht reichen, dann kann ich jederzeit sagen, danke es war eine schöne Zeit. Ich gehe jetzt als Bachelor of Business in die Arbeitswelt und höre mit dem Profitennis auf.

 

? Können Sie jungen Tennisspielern einen solchen Weg empfehlen.

Arthur Rinderknech: Das kann ich jedem nur empfehlen. Es sei denn, er steht unter den Top 10 der ITF-Juniorenweltrangliste. Wichtig ist natürlich eine College mit einem guten Trainer, der dich unterstützt und sportlich entwickeln kann. Der Übergang vom Junior zum Erwachsenen ist einfach riesig auf der Tour.

? Seit zwei Jahren spielen sie im Team Hämmerling für den TuS Sennelager. Im vergangenen Jahr erstmals in der 1. Tennis-Bundesliga. Haben Sie an den Klassenerhalt geglaubt.

Arthur Rinderknech: Sennelager ist eine tolle Mannschaft und Paderborn eine schöne Stadt. Ich hatte schon zu meiner Zeit beim Suchsdorfer SV gemerkt, dass Sennelager über eine großartige Stimmung innerhalb der Mannschaft verfügt. So wurde ich letztes Jahr auch sofort willkommen geheißen. Unser Teamgeist war ausschlaggebend und ich hoffe, es bleibt auch in diesem Jahr so. Möglicherweise können wir uns sogar noch sportlich verbessern, wobei der ständige Austausch mit den Verantwortlichen zweifelsohne ein wichtiger Aspekt für die Mannschaft ist.

 

? Ist ein Bundesliga-Team mit dem Collegesport in den USA gleichzusetzen.

Arthur Rinderknech: Ja, da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Es ist immer toll, dort vor vielen Zuschauern zu spielen. Gerade unsere Heimspiele haben mich fasziniert, vor allem mit dem fairen Publikum. In Amerika sind die Zuschauer daher auch immer noch etwas verrückter, weil es ja auch >ihr< College ist.

 

Bildzeile: Von Paris nach Rennes gezogen und der Gewinn des Turniertitels in seiner neuen Heimat war für Arthur Rinderknech der bisher emotionalsten Moment seiner Karriere. © Turnier Rennes