Rückblick auf die Saison 2017

Die Tennis-Point Bundesliga-Saison 2017 ist Geschichte. Mit dem TC Blau-Weiß Halle hat die Liga einen würdigen neuen Deutschen Meister gefunden. In einer spannenden und sehr ausgeglichenen Saison haben insgesamt rund 65.000 Zuschauer die Heimspiele der neun Erstligisten live verfolgt. Am Ende triumphierte in seinem 20. Jubiläumsjahr der TC Blau-Weiss Halle zum fünften Mal, den zweiten Platz sicherte sich der TK Grün-Weiss Mannheim vor dem drittplatzierten TK Kurhaus Lambert Aachen. Den Abstieg in die zweite Liga muss der TK Blau Weiß Aachen antreten.

Wie schon vor dem ersten Ballwechsel am 9. Juli angekündigt und gemutmaßt, war es eine sehr ausgeglichene Saison, in der Jeder hätte gegen Jeden gewinnen können. Schon am ersten Spieltag gelangen dem HTC BW Krefeld und dem Aufsteger TC Weinheim die ersten Überraschungen der Saison. Krefeld gewann gegen den bis dato amtierenden Deutschen Meister Badwerk Gladbacher HTC mit 4:2 und der Liganeuling TC Weinheim konnte dem etablierten Rochusclub Düsseldorf ein 3:3 abringen. Spätestens jetzt war klar, dass es eine spannende Saison werden würde. Nach zwei Spieltagen grüßte Kurhaus Aachen mit zwei souveränen 5:1 Siegen von der Tabellenspitze und der Gladbacher HTC fand sich völlig überraschend am Tabellenende wieder. Was folgte war für viele Vereine ein auf und ab der Gefühle. Spitzenspieler fielen kurzfristig verletzt oder turnierbedingt aus und bereiteten den Teamchefs so manche schlaflose Nacht – spontan musste Ersatz gefunden werden. In Aachen griff Trainer Dominik Meffert selbst zum Racket, in Düsseldorf und Krefeld bekam der Nachwuchs kurzfristig die Chance, sich in Szene zu setzen.

Der spätere Deutsche Meister BW Halle konnte zweimal einen 0:2 Rückstand aufholen, Absteiger BW Aachen verpasste das ein oder andere Mal nur ganz knapp die so sehr erhofften Punkte und der von vielen als sicher geglaubte Absteiger TC Weinheim setzte das ein oder andere Ausrufezeichen und konnte die Saison sensationell als Sechster abschließen.
Die Spannung im Rennen um die Deutsche Meisterschaft hielt bis zum drittletzten Spieltag an, als am 6. August das Gerry Weber Team aus Halle und Grün Weiß Mannheim aufeinander trafen und es hieß: Tabellenerster gegen Tabellenzweiter. In einer von vorne bis hinten hochklassigen Partie sahen 4.200 Zuschauer, wie das Westfälische Team um Teamchef Thorsten Liebich mit einem 4:2 Sieg den entscheidenden Schritt in Richtung fünfte Deutsche Meisterschaft machte. Ein weiterer 4:2 Sieg am vorletzten Spieltag gegen das Allpresan Team vom Rochusclub Düsseldorf besiegelte den Titel.

Und dann war da ja noch der letzte Auftritt der deutschen Tennislegende Tommy Haas auf deutschem Boden. Dieser fand am 31.Juli in Mannheim statt und der Routinier verabschiedete sich mit zwei Siegen im Einzel und Doppel von der deutschen Profispieler-Bühne. Für die weit über 4.000 Zuschauer sicher einer der emotionalsten Momente der diesjährigen Saison.

Die 1. Tennis-Point Bundesliga verlassen muss leider der TK Blau-Weiß Aachen, der nicht über zwei Unentschieden hinauskam und in die 2. Liga Gruppe Nord absteigt. „Wir haben dieses Jahr einfach ein bisschen Pech gehabt, da waren zu viele knapp verlorene Champions-Tiebreaks dabei, aber wir nehmen es locker und sind vielleicht in zwei Jahren wieder dabei.“
Anstelle der Aachener werden in der kommenden Saison die Aufsteiger Blau-Weiss Neuss als Tabellenerster der Gruppe Nord und der TV Reutlingen als Tabellenerster der Gruppe Süd in der 1. Tennis-Point Bundesliga aufschlafen. Mit den Niederrheinern kehrt ein Traditionsverein zurück ins Oberhaus, dem sie 36 Jahre lang angehört haben und vor einem Jahr abgestiegen sind. Sie rangieren hinter dem Rekordmeister LTTC Rot-Weiss Berlin (elf Mal Deutscher Meister/zuletzt 1976) mit zehn nationalen Titelgewinnen (zuletzt 1994) in der Bilanz der Meister auf dem zweiten Platz. Reutlingen gehörte von 2006 bis 2008 und 2014 der ersten Bundesliga an.

Bildergalerie 2017


Stimmen zur Saison 2017:

Teamchef Detlev Irmler (Allpresan Rochusclub Düsseldorf)
„Teamgeist, Kampfgeist, Leidenschaft und Courage haben das Unmögliche möglich gemacht. Trotz des Ausfalles der fünf besten Spieler haben wir uns bei stärkster Konkurrenz in dieser Saison behaupten können. So unter anderem mit einem überraschenden 5:1 Sieg gegen den letztjährigen Deutschen Meister Badwerk Gladbacher HTC und zum Abschluss gegen den mehrfachen Deutschen Meister TK Kurhaus Lambertz Aachen mit 4:2. Die Heimspiele vor großem Publikum, mit bis zu 4.200 Zuschauern waren großartige Werbung für den Tennissport, die Sportstadt Düsseldorf und den Düsseldorfer Rochusclub. Unsere Jungspunde haben sich bestens verkauft und haben machen Tennisprofi, der um 200 Plätze im ATP-Ranking besser platziert war, Niederlagen beigebracht. Mehr kann man nicht verlangen. Ohne Leistungssport keine Motivation für die Jugend. Die Jugend braucht sportliche Vorbilder.““

Teamchef Alexander Legsding (TK Kurhaus Lambertz Aachen)
„Mit wenig viel erreichen“, so lautete das Motto für unser in dieser Saison. Zwar gab es am letzten Spieltag zuhause eine 2:4-Niederlage gegen den Rochusclub Düsseldorf, die zwei erzielten Matchpunkte jedoch sorgten dafür, dass wir den dritten Tabellenplatz erfolgreich verteidigt haben. Niemals zuvor haben wir uns so sehr über eine 2:4-Niederlage gefreut! Insgesamt war es eine spannende Saison mit guten Ergebnissen, wie dem 3:3-Unentschieden gegen den verdienten Meister BW Halle sowie den Erfolgen über Vorjahresmeister Gladbach, Köln, Krefeld und unseren Stadtnachbarn BW Aachen. Gratulation an Halle, sie haben das vorzüglich gemacht und das konstanteste Team der Liga ist auch verdient Meister geworden.“

Teamchef Marc Zander (TK Blau-Weiss Aachen)
„Wir sind natürlich enttäuscht, obwohl uns klar war, dass wir um den Klassenerhalt spielen. In den ersten Begegnungen haben wir ein paar Punkte verschenkt, wo wir eigentlich ein Unentschieden hätten holen müssen. Vielleicht waren wir auch für die Vereine zu berechenbar, da wir immer mit einer konstant gleichen Mannschaft gespielt haben. So wussten sie, wie sie gegen uns anzutreten haben und kamen daher zumeist mit starkem Aufgebot. Leider haben wir erst gegen Köln am vorletzten Spieltag gezeigt, die immerhin mit Dustin Brown und Andreas Seppi gekommen waren, was wir es spielerisch drauf haben. Nur da war die Saison bereits gelaufen.“

Teamchef Henrik Schmidt (Badwerk Gladbacher HTC)
„Wir sind unter unseren Erwartungen geblieben. Zumal wir auch eine katastrophale Doppelleistung geboten haben, denn nach so manchem 2:2 Zwischenstand haben wir dann immer verloren. Froh sind wir jetzt, dass wir die Klasse erhalten haben. An die Saison 2017 machen wie jetzt einen Haken dran.“

Teamchef Frank Wintermantel (TC Weinheim)
„Es hätte für uns nicht besser laufen können, denn wir waren bereits früh gesichert. Wir haben zu Saisonbeginn aus drei Spielen gleich vier Punkte geholt und waren praktisch gesichert. Zunächst mussten wir auch auf Yannick Hanfmann verzichten, doch das haben wir gut verkraftet. Vielleicht hätten wir mit ihm doch noch den einen oder anderen Punkt mehr gehabt. Aber auch so haben wir bewiesen, dass wir konkurrenzfähig sind. Es freut mich auch für Halle, denn sie sind eine sehr sympathische Mannschaft. Sie haben Teamspirit, was bei anderen nicht überall der Fall ist. Dies hat sicherlich die paar Prozente zur Meisterschaft ausgemacht.“

Teamchef Ralph Grambow (Deutsche Öl und Gas Rot-Weiß Köln)
„Wir liegen im Soll, aber mehr auch nicht. Wir hatten mit Halle, Mannheim und Krefeld ein schweres Auftaktprogramm und daraus 3:3 Punkte geholt. Vor der Saison hätte ich das so unterschreiben. Habe danach gehofft, dass sich daraus eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Was aber nicht der Fall war. Wir haben dann lange nicht mehr gepunktet, so dass es keine bessere Saison geworden ist. Sehr zufrieden sind wir mit unseren Zuschauerzahlen, so dass wir uns heute schon auf die nächste Saison mit fünf Heimspielen freuen.“

Teamchef Olaf Merkel (HTC Blau-Weiß Krefeld)
„Die Bilanz fällt bei uns sehr zufrieden aus. Wir wollten unsere vier Heimspiele zu Tennisfesten machen, was uns auch gelungen ist. Damit haben wir 5.000 Zuschauer auf unsere Anlage holen können und denen haben wir begeisterndes Tennis geboten. Leider haben wir unsere „weiße Weste“ am letzten Spieltag mit einer 2:4-Niederlage verloren, doch das trübt nicht den sehr zufriedenen Gesamteindruck.“

Teamchef Gerald Marzenell (TK Grün-Weiss Mannheim)
„Unser Anspruch ist es, immer unter die ersten Fünf der Liga zu kommen, was uns seit 2004 auch gelungen ist. In den vergangenen vier Jahren waren wir sogar immer unter den ersten Drei und von daher sind wir mehr als zufrieden. Zumal die Liga immer ausgeglichener wird. Vor Jahren konnte man vorher ausrechnen, gegen wen man gewinnt oder verliert. Heute weiß man Sonntagvormittag nicht, wie die Partie ausgeht. Sehr zufriedenstellend waren auch unsere Zuschauerzahlen, besser noch als im Vorjahr. Ich glaube sogar, dass der Besuch von 4.200 Zuschauern beim Heimspiel mit Tommy Haas der beste Zuspruch in diesem Jahrzehnt war. Unser Ambiente begeistert alle und von unseren Sponsoren haben wir nur positive Resonanzen erhalten. Von daher kann ich mich nur wiederholen: Mehr als zufrieden. Halle ist ohne Wenn und Aber ein würdiger Meister. Sie hatten einfach das bessere Gesamtpaket und das muss man anerkennen. Mit uns gab es in Halle ein schönes Finale vor einer großen Zuschauerkulisse. Wir hätten da sicherlich ein Unentschieden verdient gehabt, aber es geht auch so völlig in Ordnung.“

Teamchef Thorsten Liebich (Blau-Weiss Halle)
„Im Vorfeld ging es uns nicht darum, wie wir Meister werden könnten. Das war nicht der Plan. Erst nach dem dritten Spieltag, als wir zum zweiten Mal einen 0:2-Rückstand aufgeholt haben und zum 4:2-Sieg bei Blau-Weiß Aachen gekommen sind, hat das im Team viel Energie freigesetzt. Zudem haben Tim Pütz und Daniel Munoz de la Nava gesagt, dass sie so oft wie möglich spielen wollen. Sie sind Erfolgsgaranten und wichtig für die Stimmung im Team. Dazu hatten wir das Glück, dass uns Jan-Lennard Struff im Saisonfinale zur Verfügung stand, statt Turniere in Amerika zu spielen. So hatten wir hinten raus immer eine starke Mannschaft. Unser Glück war es auch, dass wir weitgehend verletzungsfrei durchgekommen sind. Wir sind eine Gruppe, die gerne zusammen ist, mit Leuten, die immer den Teamgedanken vorleben. Damit meine ich nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Umfeld: das Platzteam, die Ballkinder und unsere Mitglieder. Sie alle geben den Spielern das Gefühl, ihr seid wichtig für uns. Ein wesentlicher Faktor sind aber auch unsere Zuschauer, weil eine große Kulisse immer sehr motivierend ist. 12.900 Besucher in vier Heimspielen spricht für sich. Als es am vergangenen Spieltag gegen Düsselderf schnell 3:0 stand und wir somit Meister waren, tauchte die Frage auf, ob die Doppel noch gespielt werden: >Natürlich spielen wir Doppel, haben die Jungs gesagt, >guckt mal, was hier auf der Anlage los ist<. Für uns gesprochen, kann ich daher nur sagen, dass die Saison sehr nah am Optimum war. In der Organisation genauso wie in sportlicher Hinsicht. Wir sind schließlich ungeschlagen geblieben.“

Interviews durchgeführt von Frank Hofen