Blau-Weiss Halle mit Big Point

Hochsommerliche Temperaturen, Saisonrekordkulisse von 4.200 Besuchern und ein Duell zweier Spitzenmannschaften mit Herzschlagtennis.

So die äußeren Bedingungen am 7. Spieltag in der 1. Tennis-Point Bundesliga der Herren in der Partie zwischen dem Tabellenführer Blau-Weiss Halle und dem Verfolger Grün-Weiss Mannheim. Nach mehr als siebeneinhalb Stunden mit vier Einzeln und zwei Doppel mit allerfeinstem Tennissport hatte das GERRY WEBER-Team die Gäste aus der Kurpfalz mit 4:2 (3:1) bezwungen und ist seiner fünften Deutschen Meisterschaft eine großen Schritt näher gekommen: Blau-Weiss Halle führt ungeschlagen mit 12:0 Punkten die Tabelle weiterhin vor Grün-Weiss Mannheim mit 8:4 Punkten, die jedoch eine Begegnung weniger haben, an. Demzufolge wird die Entscheidung um die Titelvergabe am kommenden Sonntag fallen, wenn Blau-Weiss Halle Allpresan Rochusclub Düsseldorf auf seiner Anlage an der Weststraße empfängt und die Badener beim Titelverteidiger Badwerk Gladbacher HTC anzutreten haben.

Im ostwestfälischen Halle brach am frühen Sonntagvormittag ein wahrer Besucherstrom über die Blau-Weiss-Anlage herein, denn die Auseinandersetzung gegen die Mannheimer war das Match des Tages. So waren dann auch gleich beide Courts >picke packe voll<, als Thiemo de Bakker gegen Andreas Beck und Daniel Munoz de la Nava gegen Tobias Kamke anzutreten hatten.

Vor großer Zuschauerkulisse fand der Haller Niederländer Thiemo de Bakker nicht zu seinem gewohnten Spiel. Bis auf das recht ordentliche Service kam an diesem Sonntag nicht viel zusammen. So hieß es am Ende 6:3, 7:5 für Andreas Beck und 1:0 für Mannheim. Es hatte den Anschein, als könnte alsbald der zweite Einzelsieg für Mannheim herausspringen, denn der Spanier Daniel Munoz de la Nava hatte bereits den ersten Satz gegen den gebürtigen Lübecker Kamke verloren. Doch der 35-jährige Madrilene, vor Jahren bereits die Nummer 68 der Welt, ließ sich von diesem Zwischenstand nicht beeindrucken. Er spielte weiterhin mit großer Schnelligkeit und bestechender Konstanz von der Grundlinie aus sein Tennis und je länger das Match andauerte, umso sicherer wurde der wieselflinke Iberer. Nach dem der Satzausgleich erreicht war, resignierte der Norddeutsche ein wenig und die Folge war ein 3:6, 6:3, 10:1 Endergebnis mit dem ersten Punkt für die Gastgeber aus Halle. Tosender Applaus begleitete Daniel Munoz de la Nava vom Court in die Kabine, denn mit seinem großartigen Einsatz begeistert er immer wieder das Publikum.

Die zweite Einzelrunde stand nun an und Halles Nummer eins, Jan-Lennard Struff bekam es mit Peter Gojowczyk zu tun und parallel starteten auch Tim Pütz und sein Mannheimer Kontrahent Daniel Brands das Duell. Auch hier kamen die beiden Mannheimer wieder besser ins Spiel und gewannen jeweils den ersten Satz. Doch was die Ostwestfalen in dieser ihrer 20. Ligasaison auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie um jeden Ball und jeden Zentimeter auf der roten Asche fighten. Zwar musste sich im zweiten Durchgang Davis Cup-Spieler Struff, nachdem er seinen Schläger zertrümmert hatte, einige Pfiffe anhören, doch dann war der Druck weg und er spielte wie befreit auf. Nach einem großartigen 4:6, 7:5, 10:6-Dreisatzsieg entschuldigte sich der 27-Jährige bei den Zuschauern, die angesichts seines Erfolge dann auch wieder versöhnt waren. Etwas später ging dann auch die Auseinandersetzung zwischen Pütz und dem gebürtigen Niederbayer Brands zu Ende, denn auch hier wurde der Haller spielerisch immer stärker.Nachdem die beiden ersten Sätze jeweils im Tiebreak mit 6:7(5), 7:6(1) entschieden wurden, mussten sie in den Champions Tiebreak. Und dieser geriet zu einer Galavorstellung von Tim Pütz, der diesen mit 10:1 gewann. Zugleich bescherte der aus Frankfurt stammende Haller der Mannschaft um Teamchef Thorsten Liebich ein 3:1-Zwischenresultat.

Auch für das anstehende Doppel gegen das Mannheimer Duo Kamke/Beck standen die Vorzeichen für Tim Pütz und seinen Partner Jan-Lennard Struff gut, denn Pütz konnte alle bisherigen Doppel in dieser Saison erfolgreich bestreiten. Und so kam es auch diesmal.Nach Satzverlust kamen das Duo Struff/Pütz immer bester ins Spiel und einmal mehr kam letztlich ein 5:7, 6:3, 10:5 Sieg heraus, der ihn mit einer 11:1-Matchbilanz (4:1 Einzel/7:0 Doppel) zum überragenden Mann im GERRY WEBER-Team macht. Dieser Haller Doppelerfolg war zugleich das 4:2-Schlussresultat, denn zuvor hatten die Mannheimer Brands/Kern einen mühelosen Zweisatzsieg (6:4, 6:3) gegen das erstmals aufgestellte Gespann de Bakker/Jahn verbuchen können.

„Die Begegnung hätte durchaus auch anders ausgehen können. Dennoch herzlichen Glückwunsch an Halle, sie hatten heute vielleicht ein Quäntchen mehr Glück. Gratulation auch an Jan-Lennard Struff für seinen großen Kampf und ein tolles Match“, resümierte der Mannheimer Teamchef Gerald Marzenell.

So kommt es am nächsten Sonntag zum Showdown zwischen Blau-Weiss Halle und dem Allpresan Rochusclub Düsseldorf, während Grün-Weiss Mannheim beim Badwerk Gladbacher HTC versuchen wird, die kleine Chance auf Platz 1 aufrecht zu halten.

Wieder einmal wusste Tim Pütz im Einzel und im Doppel gegen Grün-Weiss Mannheim zu überzeugen und ist inzwischen mit einer 11:1-Saisonbilanz bester Haller Bundesliga-Akteur. © Olaf Sorge

 

Textpassagen von Frank Hofen

Bildzeile: Glückwünsche an den überragenden Tim Pütz (rechts) vom Haller Clubpräsidenten Gerhard Weber (links) und Teamchef Thorsten Liebich. © Sören Voss (Westfalen-Blatt)